Elternhaus als Wochenend-Ruhepol

Philipp Aschenwald, doppelter Silbermedaillengewinner bei der WM in Seefeld im Skispringen, wohnt – trainingsbedingt – wochentags in Götzens, die Wochenenden verbringt er aber im heimatlichen Zillertal.

Von Peter Hörhager

Ramsau – Aschenwald – Träger dieses Namens sind fast in jedem Zillertaler Ort beheimatet. Einige besonders Kreative sind weit über das Tal hinaus bekannt. Etwa der kernig-urige Erwin Aschenwald („Die Mayrhofner“), der wortgewaltige Literat Hans Aschenwald, der Kletterpionier Anderl Aschenwald … und dann gibt es da noch den Nordischen Kombinierer Hansjörg Aschenwald (Olympia-Bronze 1988 in Calgary) und seinen als Skispringer inzwischen schon erfolgreicheren Sohn Philipp. Letzterer gewährte mir in einer Trainingspause Einblicke in seinen Hauptwohnsitz im elterlichen Haus in Ramsau. Während der Woche wohnt bzw. lebt er mit Freundin Alina in einer Dreizimmerwohnung in Götzens. „Wir trainieren hauptsächlich in Innsbruck und da geht für die Fahrten aus dem und ins Zillertal einfach zu viel Zeit verloren“, erklärt der 23-Jährige bei meinem Besuch.

„Ich habe ja wie der Papa als Nordischer Kombinierer begonnen – im Alter von acht Jahren bin ich das erste Mal auf der Mayrhofner Sprungschanze gesprungen“, erzählt er. Die Gene und das Talent waren vielversprechend und so hieß es für den jungen Zillertaler nach der Hauptschule Abschied vom Zillertal nehmen. Neuer „Wohnraum“ wurde das Internat in Stams, wo der Philipp den sportlichen Feinschliff und – in der Ski-Handelsschule – das Rüstzeug für das Leben nach dem Sport erhielt.

Bei der Nordischen Junioren-Skiweltmeisterschaft 2015 im kasachischen Almaty gab es die ersten Spitzenplätze – Philipp Aschenwald erreichte einen dritten Platz im Teamwettbewerb. Und heuer ging der Stern des Philipp endgültig auf. Am 9. Februar 2019 gewann er im Mannschaftswettbewerb auf der Salpausselkä-Schanze im finnischen Lahti gemeinsam mit Gregor Schlierenzauer, Michael Hayböck und Stefan Kraft erstmals ein Weltcupspringen. Bei den Weltmeisterschaften 2019 in Seefeld in Tirol holte er mit seinen Mannschaftskameraden Michael Hayböck, Daniel Huber und Stefan Kraft die Silbermedaille im Mannschaftsspringen. Beim Einzelwettkampf von der Normalschanze verpasste er nur knapp das Podium und belegte den vierten Platz, Im abschließenden Mixed-Team-Wettbewerb wurde er (gemeinsam mit Eva Pinkelnig, Daniela Iraschko-Stolz und Stefan Kraft) Vizeweltmeister hinter der deutschen Mannschaft. Im Continental Cup 2019 wurde er Sieger der Sommergesamtwertung mit sechs Siegen und zwei Podestplätzen.

Versteht sich, dass er bei unserem Rundgang die zwei WM-Medaillen auspackte. Fotografieren ließ er sich damit vor einem Foto, auf dem Papa Hansjörg mit dessen Cousin Günter Csar und Klaus Sulzenbacher mit ihrer Bronzemedaille zu sehen sind, die sie 1988 bei den Olympischen Spielen in Calgary gewonnen haben.

Hansjörg Aschenwald ist seit 1998 Mitglied bzw. Trainer beim Einsatzkommando Cobra und war deshalb beim Fototermin verhindert. Ende der 1990er-Jahre hat er mit seiner Frau Heidi dieses Eigenheim geschaffen. Der im Tiroler Landhausstil ausgeführte Bau mit dem großen Garten bot genügend Platz und Freiraum für die drei Kinder Patrick, Jenny und Philipp, den Jüngsten. Patrick hatte sich ebenfalls dem nordischen Skisport verschrieben, hat aber inzwischen dem Leistungssport Ade gesagt.

Das stattliche Haus mit seinem Giebeldach, dem traditionellen Vordach, der massiven Balkonumrandung und der ebenfalls in Holz ausgeführten Balustrade trägt die Handschrift von Papa Hansjörg. Viel Holz und andere heimische Materialien – der Innenraum korrespondiert auch diesbezüglich mit dem äußeren Erscheinungsbild.

Im Elternhaus verbringen Philipp und seine aus Finkenberg stammende Freundin Alina ihre Wochenenden. „Hier bin ich daheim, hier lade ich an trainings- oder wettkampffreien Tagen meine Batterien auf“, betont der Polizeischüler und ergänzt, dass sich er und Alina später einen eigenen Wohnraum schaffen werden. „Wenns geht, im Zillertal“, lacht er, „aber das ist ja noch nicht aktuell.“

Das Haus seiner Eltern und dessen Innenleben bezeichnen beide als „traditionell-bodenständig mit modernen Elementen“ sowie „unglaublich gemütlich“. Vor allem die in den letzten Jahren neu eingerichteten Bereiche bestechen durch schlichte Formensprache. „Die Möbel haben großteils Onkel Gerhard und mein Bruder Patrick geschaffen“, hält Philipp Aschenwald fest. Fotos weisen auf die sportlichen Erfolge der Hausbewohner hin. Apropos sportliche Erfolge: Mit der Skiflug-WM in Planica steht 2020 ein Großereignis bevor. Philipp Aschenwald hat im Sommer bewiesen, dass er gerüstet ist. Er erzielte beim FIS Grand Prix in Courchevel in beiden Durchgängen die Höchstweite, ein Sturz im ersten Durchgang vereitelte den Sieg. Und beim Sommer-Grand-Prix in Hinzenbach landete Philipp Aschenwald hinter dem Polen Dawid Kubacki auf Platz zwei.